komplexe 2 (syntonie)

fragte er so, ob ich denn auch komplexe hätte, störungen, er habe jetzt so viel von sich erzählt. blickte wirklich penetrant unangenehm mich an.

ich also erzählte, wie ich als kind wirklich lange, bis zehnjährig oder so, brauchte, um zu begreifen, dass ich ein mädchen sei. wenn erwachsenere zB fragten, was ich werden wolle später mal, sagte ich: archäologe, und wurde behutsam immer korrigiert: aha, archäologin, soso, toll. und was willst du ausgraben dann? – und ich verstand dann gar nicht, worauf es jetzt ankam eigentlich.

er konnte mit dieser kleinen lustigkeit offensichtlich überhaupt nichts anfangen. sah mich seltsam ungewiss geschlechtsloses wesen weiter so penetrant unangenehm an, und fragte sich vielleicht zum ersten mal, was eine weibliche seele sei.

ich also noch etwas weiter ausholend mich versuchsweise korrigierend: dass dies ja, eigentlich, nur die vorgeschichte gewesen sei bis hier, noch gar nichts verkompliziert war damals, und auch bis heute nicht wirklich. also nein: keine störung. dass ich diese meine vorprädikative geschlechtsblindheit wirklich für überhaupt sehr gesund halte. und, das zur ergänzung noch, um das ganze zu einem wirklich vollbefriedigend versöhnlichen ende zu bringen für uns beide hier, dass ich grundsätzlich mir selbst auch immer sehr durchsichtig erschienen war. alles immer schon ausgefaltet entknotet war zu fast jedem zeitpunkt immer.

und mehr hatte ich dann auch wirklich nicht zu sagen.

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