nächste woche, übrigens, würdest du heiraten, schriebst du, und es wäre dir lieber, wenn wir erst danach weitermachen würden. ist ja total verständlich, hochzeit muss vorbereitet werden, du ja eh schon immer eingespannt in allerlei alberne alltagsarbeiten, da fällt manches eben hinten runter, müssen manche kleinigkeiten ein klein wenig warten. schriebst du.
in die weiße wüste bettwäschenleere, auf der ich lag, während ich las, starrte ich. es war inzwischen frühling geworden. die sonne schwieg.
und ich?, dachte ich vorwurfsvoll, denkt denn niemand hier an mich überhaupt?
denn ehrlich gesagt machte mich deine nachricht so tieftraurig, unglücklich, enttäuscht, wie man es kennt nur aus träumen. es war nicht, dass ich dir dein glück nicht wünschte. auch nicht, dass ich mit entsprechenden kompromissen niemals nicht gerechnet hätte. ich hätte, wäre mir denn eine größere rolle zugestanden worden in diesem ernstwelttheater, dir sogar zu dieser unentscheidung geraten. glaube ich.
und jetzt also las ich deine lichtbeschienene sonnenzukunftsnachricht und dachte: wie jeder tag, den die zeit einem vorlegt, nur ein einziger ist, und niemals sich addiert zu allen anderen glückstagen. wie alles, was wir jemals schreiben werden, nur text sein wird. kein versprechen, keine ewigkeit, nur partielle, extreme, achtsame depersonalisierungsübung.