eine neue begriffsperson bereitet sich auf ihren auftritt vor. hinter dem vorhang aus textgewebe noch übt sie gestalten ein. das gestalten.
„Es hat z. B. keinen Sinn, zu fragen, ob das Gretel in einem Märchen und ein Gretel in einem anderen Märchen dasselbe Gretel ist, ob was für das eine phantasiert und ausgesagt ist, mit dem für das andere Phantasierten stimme oder nicht stimme, wie auch, ob sie miteinander verwandt sind usw.“ (Husserl, Erfahrung und Urteil, 202)
trotzig tritt die operative koinzidenz vor den vorhang. trotzig traut sie sich, zu fragen: was aber, wenn doch? wenn gerade diese frage: ob gretel hier und gretel dort nicht doch identisch seien, wenn genau das eigentlich die einzige sinn-habende frage überhaupt sei?
es sei ja denkbar, wagt sie sich vor, dass gretel, über wege, die wir noch nicht be-wegt haben, irgendwie digressiv also, über um-wege, um über-wege eben, von einem märchen ins andere gelangt sei. vielleicht sei sie einfach sehr geschickt darin, maulwurfsarbeit zu leisten – sie grabe sich unter den zeitstellen einfach ihre eigene parallele zeitimmanenz, so in etwa.
was dann?
und überhaupt, führt die operative koinzidenz jetzt mit einigem mehr an selbst-bewußtsein weiter aus, komme es gretels unterirdischer unter-weltlicher grabungsarbeit ja durchaus zugute, dass es keine „absolute Zeitlage“ gebe, die gretel und gretel für immer voneinander trennen würde – wie auch sonst sollte sie noch dieselbe sein, sobald sie in der phantastischen neuwelt ans tageslicht trete?
mit einiger eitelkeit ausgestattet kommt die operative koinzidenz nicht umhin, ihren eigenen einsatz bei der befreiung gretels zu betonen: ganz zufällig, im märchenwald, wo man fast keinen meter nach vorne nichts sehen könne!, sei sie auf das arme märchenmädchen gestoßen, und ganz zufällig sei ihr dann ebenjene andere welt eingefallen, zugefallen, in der sie eine für gretel durchaus angenehm atmosphärische alternative vermutet habe. gretel habe sofort zugestimmt.
nach diesem gelungenen auftritt verbeugt sich die operative koinzidenz vor dem leeren saal und verschwindet bis auf weiteres hinter dem textgewebten vorhang.